Die Ausstattung der Volkssternwarte Rothwesten
Teleskope und ihre Funktionsweise
Die Volkssternwarte Rothwesten besitzt drei Teleskope, die unterschiedliche Eigenschaften haben und damit auch für verschiedene Beobachtungsaufgaben eingesetzt werden können. Zum besseren Verständnis ist die Funktionsweise eines Teleskops in Abbildung 1 dargestellt.
Abb. 1: Funktionsweise eines Teleskopes.Das Licht von dem Objekt, das wir beobachten wollen, trifft auf den Hauptspiegel. Durch dessen Krümmung wird das parallel einfallende Licht gebündelt und in einem Punkt, dem Brennpunkt, vereinigt. Handelt es sich bei dem Objekt um eine flächenhafte Struktur (z.B. einen Planeten oder einen Nebel), so wird das Bild nach diesem Prinzip aus lauter einzelnen Punkten zusammengesetzt.
Um das so entstandene Bild eines Objekts zu betrachten, benötigt man ein Okular. Dieses entspricht einer Lupe, mit der man das Brennpunktbild vergrößert. Durch die Wahl von Okularen mit unterschiedlichen Vergrößerungen läßt sich bestimmen, wie groß der Ausschnitt ist, den der Beobachter am Himmel sieht.
An den Teleskopen der Volkssternwarte Rothwesten lassen sich Vergrößerungen einstellen, die zwischen etwa 50- und 200-fach liegen, wobei höhere Vergrößerungen zwar theoretisch möglich wären, sich in der Praxis aber wegen der Luftunruhe als wenig sinnvoll erwiesen haben.
Bei einer 50-fachen Vergrößerung erscheint der Mond uns zum Beispiel so groß, als würden wir ihn statt aus einer Entfernung von 380.000 km nur noch aus 7.600 km sehen; bei 200-facher Vergrößerung hätten wir uns dem Begleiter der Erde bereits auf scheinbar 1.900 km genähert.
Da die Lage des Brennpunktes und damit auch der Einblick des Beobachters an einer sehr ungünstigen Stelle liegt (beim Spiegelteleskop innerhalb des Rohres), verwendet man einen Umlenkspiegel, der den Strahlengang aus dem Rohr herauslenkt.
Die wichtigste Funktionsweise eines Fernrohres ist es, das vom Hauptspiegel gesammelte Licht in das Auge des Beobachters zu lenken und damit sehr lichtschwache Objekte sichtbar zu machen.Die Teleskope der Sternwarte
Die Volkssternwarte Rothwesten besitzt folgende drei Teleskope: zunächst ein Spiegelteleskop mit 21 cm Spiegeldurchmesser. Das Gerät wurde seinerzeit von Georg Spitzer gebaut und verrichtet heute wie vor 35 Jahren seinen Dienst. Da es sich um ein Instrument mit langer Brennweite handelt (Bildfehler fallen bei solchen Geräten weniger ins Gewicht) und es einen ausgezeichneten Spiegel von Zeiss besitzt, ist es gut zum Beobachten und Fotografieren von Planeten und Doppelsternen geeignet.
Das zweite Spiegelteleskop ist mit seinem Spiegeldurchmesser von 30 cm bei sonst gleichem Aufbau dagegen wesentlich besser zur Beobachtung von lichtschwachen Galaxien, Gasnebeln und Sternhaufen geeignet. Aus diesem Grund wird es heute vorwiegend für diese Aufgaben eingesetzt.
Zur Beobachtung von Sonnenflecken findet ein Linsenfernrohr mit 12,5 cm Öffnung Verwendung.
Abb. 2: Innenansicht der Sternwarte mit den Instrumenten.Die Zusatzgeräte
Da man die Sonne nie mit bloßem Auge und erst recht nicht mit einem Fernrohr direkt beobachten darf, wird zur gefahrlosen Beobachtung ein spezielles Filter benötigt. Dieses besteht aus einer verspiegelten Glasplatte, durch die nur ein tausendstel des auftreffenden Lichtes in das Instrument gelangen kann. Auf diese Weise können zum Beispiel Sonnenflecken auf der Oberfläche der Sonne beobachtet und fotografiert werden. Mit einem weiteren Zusatzgerät ist es möglich, das Licht von beobachteten Sternen in seine Regenbogenfarben zu zerlegen. So kann man sehen, in welch unterschiedlichen Farben die Sterne leuchten; daraus können auch Rückschlüsse auf Temperatur und Art der Sterne gezogen werden.
Abb. 3: Das Sonnenfilter zur Beobachtung von Vorgängen auf der Sonnenoberfläche.Der Feldstecher
Die Sternwarte besitzt einen Feldstecher mit einer Öffnung von 80 mm und elffacher Vergrößerung. Mit diesem lassen sich größere, flächenhafte Objekte beobachten, so zum Beispiel der Mond und die Riesenplaneten. Besonders gut geeignet ist er auch zur Beobachtung von Gasnebeln wie dem Orionnebel M42 oder Galaxien, etwa der Andromedagalaxie M31, die so groß ist, daß sie mit dem Teleskop nicht mehr in einem Gesichtsfeld betrachtet werden kann.
Abb. 4: Der Feldstecher auf seinem Stativ am Kuppelschieber.Die Montierung
Um mit einem Fernrohr über längere Zeit hinweg ein astronomisches Objekt beobachten zu können, muß man das Teleskop dem scheinbaren Lauf der Gestirne nachführen. Durch die ständige Drehung der Erde gehen die Sterne, wie auch die Sonne und der Mond, im Osten auf, legen einen Bogen über das Himmelsgewölbe zurück, um schließlich im Westen wieder unterzugehen.
Der Mond benötigt so zu Beispiel nur etwa zwei Minuten, um am Himmel eine Strecke zurückzulegen, die seinem eigenen sichtbaren Durchmesser entspricht.
Man kann sich vorstellen, daß ein fest ausgerichtetes Teleskop für längere Beobachtungen nicht von Vorteil ist. Aus diesem Grund besitzt die Fernrohrmontierung, auf der alle drei Fernrohre angebracht sind, eine schräg im Raum aufgestellte Achse, die parallel zur Erdachse ausgerichtet ist. Wird das gesamte Teleskop nun ständig von einem kleinen Motor um diese Achse entgegengesetzt der Erddrehung, aber mit derselben Geschwindigkeit wie die Erde bewegt, so scheinen die Objekte im Gesichtsfeld des Teleskops festzustehen.
Um beliebige Objekte am Himmel auffinden zu können, ist das Fernrohr um eine zweite Achse drehbar, die im rechten Winkel zur ersten Achse angeordnet ist. Da beide Achsen mit Koordinaten versehen sind, ist es möglich, Objekte direkt einzustellen, ohne sie im Sucherfernrohr sehen zu müssen. Dies erweist sich vor allem für lichtschwache Objekte als Vorteil, da diese in einem Sucher, manchmal aber auch selbst im 30 cm Newtonteleskop, nicht zu sehen wären und nur fotografisch erfaßt werden können. Die Koordinatensysteme, die hierbei verwendet werden, kann man sich als Projektion der irdischen Längen- und Breitengrade auf die Himmelskugel vorstellen.
Abb. 5: Der Motor zur Nachführung gleicht die Erdbewegung aus. Das Getriebe ist so ausgelegt, daß die Polarachse des Teleskopes in einem Tag genau eine Umdrehung zurücklegt.Die Kuppel
Die Kuppel bietet mit ihrem schmalen Schieber nur einen kleinen Ausschnitt des Himmels; aus diesem Grund ist sie in jede beliebige Richtung drehbar.
Im Gegensatz zu größeren Sternwarten werden auf der Volkssternwarte Rothwesten alle diese Einstellvorgänge von Hand betätigt; motorische Unterstützung ist nicht vorhanden. Lediglich die Nachführung wird heute von einem Motor mit moderner Steuerelektronik durchgeführt.Andere Beobachtungsmöglichkeiten
Die Beobachtung der Objekte kann nicht nur visuell, also direkt mit dem Auge erfolgen, sondern auch mittels einer Kamera mit passendem Film. Dazu ist es möglich, eine normale Spiegelreflexkamera am Teleskop anzubringen und dieses anstelle eines Teleobjektivs zu benutzen.
Inzwischen stehen an vielen Sternwarten moderne elektronische Kameras zur Verfügung, mit deren Hilfe man beispielsweise den Mond, während er am Fernrohr beobachtet wird, auf einem Monitor darstellen kann. So können Einzelheiten viel besser erklärt werden, die man dann im Fernrohr selbst anschauen kann. Gerade auch zur Fotografie von Planeten lassen sich diese Kameras sehr gut einsetzen, da die sonst so störende Luftunruhe wegen der kurzen Belichtungszeiten keinen großen Einfluß mehr hat. Für die Zukunft planen auch wir die Anschaffung einer solchen Kamera.
Aber auch mit den heutigen Mitteln läßt sich ein Streifzug durch das Universum unternehmen, um unseren Sternenhimmel in seiner ganzen Pracht und Großartigkeit zu betrachten.
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Letzte Änderung: 3-März-1998 von Holger Mai